3 Tipps, wie du aus scheinbaren Fehlern anderer Menschen lernen kannst

Es gibt Menschen, die sind geradezu süchtig danach, bei anderen Leuten oder in ihrem Umfeld Fehler zu finden. Sie gehen mit der Lupe durchs Leben und suchen so lange, bis sie endlich wieder was entdeckt haben, das sie anprangern können. Und das Paradoxe daran: Sie ärgern sich dann furchtbar darüber, dass solche Fehler oder Missstände passieren.

Beispiele gefällig? Gerne:

Ein Autofahrer ärgert sich ständig über Autolenker, die beim Abbiegen nicht blinken.

Ein eifriger Zeitungsleser findet in jeder Ausgabe und jedem Blogbeitrag Tipp- und/oder Rechtschreibfehler und ärgert sich maßlos über diese „hirnlosen Schreiberlinge“.

Eine Frau im Supermarkt regt sich bei fast jedem Einkauf über lange Warteschlangen an der Kasse auf und schimpft lautstark über die unfähige Filialleitung….

Alles schon selber erlebt? Na klar, wer nicht. Schließlich sind wir alle immer wieder in der einen oder anderen Situation. Die Frage ist nur, ob als Betroffene/r oder Verurteilende/r.

1. Tipp: Frag dich ehrlich: Ist das alles nun wirklich wahr?

  • Sind die meisten Autofahrer wirklich rücksichtslos?
  • Sind die Zeitungsredakteure oder Blogger wirklich hirnlose Schreiberlinge?
  • Ist die Filialleitung des Supermarktes wirklich unfähig?

In einzelnen Fällen mag das möglicherweise zutreffen. Grundsätzlich jedoch wäre es jedoch viel hilfreicher, die eigene Sichtweise zu hinterfragen:

  • Macht es wirklich Sinn, mich darüber aufzuregen?
  • Ändere ich dadurch etwas?
  • Ist es liebevoll mir selber gegenüber?

Drei mal NEIN! Warum also tu ich es dann?

Jedem von uns können schließlich Fehler passieren, niemand ist perfekt!

2. Tipp: Geh gelassener an die jeweilige Situation heran und wechsle gleich einmal den Blickwinkel:

  • Manche Autofahrer mögen auf das Blinken vergessen – im Vergleich zu den vielen, vielen anderen, die es sehr wohl tun, eine sehr kleine Anzahl.
  • Manche Zeitungsredakteure oder Blogger mögen durchaus Fehler machen, aus Flüchtigkeit, zu wenig Zeit zum nochmaligen Durchlesen etc. – die weitaus größere Anzahl von Artikeln ist jedoch Fehlerfrei.
  • Manche Filialleiter und Filialleiterinnen mögen schon einmal darauf vergessen, bei größerem Kundenandrang eine weitere Kassa zu öffnen oder haben grade zuwenig Personal – in den meisten Fällen geht es jedoch sehr zügig voran.

Ein Autofahrer, der sich immer wieder über nicht blinkende Abbieger aufregt, „sucht“ ständig nach genau solchen „rücksichtslosen“ Zeitgenossen. Dem Zeitungs- und Blogleser fallen diverse Fehler natürlich als erster auf, weil er schon mit der Erwartungshaltung Fehler zu finden, die Zeitung aufschlägt und den Blog anklickt. Die Kundin im Supermarkt hat es „immer eilig“ und ist davon überzeugt, dass sie wieder „ewig warten“ muss und dass wieder viel zu wenig Kassen besetzt sind.

3. Tipp: Erforsche, welche mögliche Botschaft in dieser ärgerlichen Situation stecken könnte?

  • Welchen Gewinn kannst du aus diesem Ereigniss ziehen?
  • Welches Geschenk dieses Spiegelbildes wartet darauf, von dir ausgepackt zu werden?

Der Autofahrer, der sich über die Blinkmuffel ärgert, könnte sich zum Beispiel fragen, in welchem Bereich seines Lebens er sich noch nicht erlaubt, keine Richtung anzugeben? Wo sollte er sich noch alle Optionen offen lassen, traut sich das aber nicht?

Der Zeitungs- und Blogleser könnte sich fragen, was denn so schlimm daran ist, über manche Dinge hinweg zu sehen. Großzügiger zu sein und nicht immer perfekt sein zu müssen.

Die Kundin des Supermarktes könnte sich fragen, wo sie sich noch nicht erlaubt darauf zu vertrauen, dass sie zur rechten Zeit dort ankommt, wo sie hin will. Oder dass ohnehin alles rechtzeitig geschieht.

Das sind natürlich nur Beispiele, denn es geht ja immer um deine persönliche und individuelle Sichtweise auf deine aktuelle Situation.

Ein Punkt jedoch trifft IMMER zu: Worauf ich meine Aufmerksamkeit richte, das „erlebe“ ich auch.

Also warum nicht den Blick auf die schönen und durchaus angenehmen Dinge des Lebens richten? Jedes Ding hat doch mindest zwei Seiten (meistens viel mehr).

„In jeder Minute, die man mit Ärger verbringt, versäumt man 60 glückliche Minuten.“

Zitat von William Somerset Maugham

Zusammenfassung

  • In jedem unliebsamen Verhalten steckt auch eine besondere Fähigkeit.
  • In die Schuhe des negativen Spiegelbildes schlüpfen und den positiven Kern im Negativen herausfinden.
  • Der Wechsel der Blickrichtung bewirkt Verständnis und Toleranz dem Anderen gegenüber.

Schau in den Spiegel, es lohnt sich!

Herzliche Grüße

Christine

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7 Kommentare, sei der nächste!

  1. ich weiß schon – man soll seine Aufmerksamkeit nicht auf Fehler richten. Habs gelesen.
    😉

    aber dennoch wäre es gut, richtig zu zitieren
    „In jeder Minute, die man mit Ärger verbringt, versäumt man 60 glückliche Minuten.“
    das kann sich rein rechenrisch nicht ausgehen, oder?

    und weiterführend:

    wenn ich meine Aufmerksamkeit also nicht auf “Fehler” richte, dann sind sie “nicht da?”
    Wenn ich also – nur als ein Beispiel – nicht an frierende Obdachlose bei Minusgraden denke bzw sie erst gar nicht sehe, wenn ich durch die Stadt gehe (ich kann es ja schließlich nicht ändern, dass sie da sind, dass sie obdachlos sind, etc) …

    Also, wir wenden dieses Rezept hier an:
    Macht es wirklich Sinn, mich darüber aufzuregen?
    Ändere ich dadurch etwas?
    Ist es liebevoll mir selber gegenüber?

    hm. Nein, ich muss mich drüber nicht mehr aufregen, als über die nicht geöffnete zweite Kassa beim Billa (und die darauf resultierende lange Schlange vor der einzigen, besetzten Kassa – nebstbei macht es da durchaus Sinn, mal seinem “Ärger” laut Luft zu machen und nach der Öffnung einer weiteren Kassa zu verlangen. Manchmal passiert das dann nämlich auch.)
    ändere ich etwas mit Ärgern? nein. Zumindest nicht, wenn aus dem Ärgern in weiterer Hinsicht nichts folgt.
    ist es liebevoll mir selber gegenüber? die eigenwilligste aller Fragen, denn: weder noch. Weder bin ich mir gegenüber liebevoll oder un-liebevoll wenn mich das ärgert = wenn ich mit dem aktuellen IST-Zustand nicht zufrieden bin.

    also weiter im Text:

    “gelassener mit der Situation umgehen”
    ok. lächeln, und weitergehen also. oder?

    kommen wir zur Botschaft:

    Welchen Gewinn kannst du aus diesem Ereigniss ziehen?
    Welches Geschenk dieses Spiegelbildes wartet darauf, von dir ausgepackt zu werden?
    die Gewinnfrage: die stellt sich ja immer in einer Gesellschaft, die auf “Mehrwert” ausgerichtet ist. Warum eigentlich ist das so wichtig?
    ich sehe hier keinen “Gewinn“. (nebstbei: Gewinn ist, wenn ich etwas zu bereits Bestehendem dazubekomme. Nur, damit wir hier nicht um Definitionen raufen müssen)

    Geschenk: nun, vielleicht dieses, dass wir demütig und dankbar dafür sein sollten, ein Dach über dem Kopf zu haben, und die Möglichkeit, es auch zu erhalten (warme Mahlzeiten inklusive) – um jetzt in dem von mir gewählten Beispel zu bleiben.
    Damit allein sollten wir uns aber menschlich nicht zufrieden geben. Sondern etwas dazu tun, dass es anderen, weniger vom Glück verwöhnten, besser gehen kann. Ohne ihnen die Selbstachtung zu nehmen (was wir tun, wenn wir unser Handeln auf Almosen geben beschränken)

    und zum Abschluss:

    Ein Punkt jedoch trifft IMMER zu: Worauf ich meine Aufmerksamkeit richte, das „erlebe“ ich auch.
    Also warum nicht den Blick auf die schönen und durchaus angenehmen Dinge des Lebens richten? Jedes Ding hat doch mindest zwei Seiten (meistens viel mehr).

    Das ist – nicht nur, aber auch – ein Plädoyer für gelebte Ignoranz!
    einfach wegblenden, was nicht ins Konzept paßt.

    aber vielleicht ist hier auch ein Zitat angebracht:

    „Habe die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die du nicht ändern kannst. Habe den Mut, Dinge zu verändern, die du ändern kannst.
    Und habe die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Friedrich Christoph Oetinger, dt.. Theologe, 1702-1782)

    In diesem Sinne werde ich den Newsletter abbestellen. (also etwas verändern – für mich)
    Nicht meiner “Weisheit” geschuldet, sondern meiner inneren Müdigkeit. (weil ich nicht ändern kann, was und wie andere denken – der Auftrag an mich lautet hier also, Gelassenheit walten zu lassen)
    Zu erkennen, wann es genug von etwas ist, ist schließlich auch eine Art der „Weisheit“.
    Wertfrei.

    1. Hallo Emma,
      mit dem Fehler im Zitat hast du völlig Recht! Es müsste natürlich „Sekunden“ heißen. Ich hoffe, du hast dich deswegen nicht geärgert – genau darum gehts nämlich in diesem Beitrag. Nicht um ignorieren oder ausblenden der Dinge, die weniger schön, weniger angenehm oder weniger erfreulich sind. Ganz im Gegenteil. Es geht darum zu erkennen, welche Glaubenssätze und Überzeugungen das eigene Bewusstsein immer noch beeinflussen.

      Den aktuellen IST-Zustand können wir nicht ändern. Doch es liegt an jedem einzelnen von uns, wie darauf reagieren. Das Geschenk bzw. der „Gewinn“ liegt darin zu erkennen, welche Denkweise und Urteile ich anwende. Nur so es möglich, zuerst im Denken etwas zu verändern und selbstverständlich auch im Handeln.
      lieben Gruß – Christine

  2. Ein sehr schöner und vor allem praxisnaher Artikel, der mich schmunzeln ließ. Auch ich habe mich hier und da wiedererkannt. Wobei ich heute sehr dankbar darüber bin, dass ich mehr Gelassenheit praktiziere als noch vor einigen Jahren. Und ja – beim Autofahren erfreue ich mich an der schönen Landschaft, höre entspannende Musik und wenn mich tatsächlich Ärger überkommen sollte, setzte ich einfach mein schönstes Lächeln auf. Und schon ist an Ärger nicht mehr zu denken.
    Liebe Grüße
    Birgit

    1. Hallo Birgit,
      ja, selbst im Stau kann man Gelassenheit üben… ärgern hilft ohnehin nichts. Deswegen kommt man auch nicht schneller voran.
      Lächeln ist IMMER eine gute Strategie.
      liebe Grüße
      Christine

  3. Zuerst einmal ein großes Kompliment, liebe Christine! Dein Blog gefällt mir sehr und ich finde ihn klug, witzig und interessant. Auch für mich (!!) sind hilfreiche Tipps dabei und ich kenne mich ja gut mit der Materie aus.

    Ja Autofahrer, übergenaue Zeitungsleser und ungeduldige Käufer, das nervt mich nicht, aber (du kennst mich ja) mieselsüchtige Ehemänner, die sich über die nicht blinkenden Autofahrer aufregen und sie anhupen, sich über Fehler in der Zeitung aufregen und voller Ungeduld hinter dem Autobus herfahren und am liebsten drüberfliegen möchten, sich ärgern und schimpfen, sind für mich ein Grund zum Ärgern!

    Hier finde ich deine Tipps hilfreich:

    •Macht es wirklich Sinn, mich darüber aufzuregen?
    •Ändere ich dadurch etwas?
    •Ist es liebevoll mir selber gegenüber?

    Danke dir dafür!

  4. Liebe Christine,

    ein sehr gelungener Artikel, wenn auch hier und da mit kleinen Schreibfehlern ;), die ich im Übrigen nicht schlimm finde, denn diese passieren mir als Bloggerin auch immer wieder. Es ist doch menschlich. Man kann 100 Mal über den Text lesen und wird dabei nur betriebsblind, so dass man diese kleinen Fehlerteufel gar nicht sieht.

    Ich glaube sie fallen mir lediglich deshalb auf, weil ich vor vielen, vielen Jahren mal als Sekretärin gearbeitet habe.

    Ich stimme dir absolut zu, wenn man sich über irgendetwas ärgert, dann sollte man stets überlegen, warum das so ist, denn es wird einem immer der Spiegel (eigener Unzulänglichkeiten) vorgehalten.
    So macht es eher Sinn an diesen Dingen zu arbeiten, als seine Nerven unnötig zu strapazieren und sich aufzuregen.

    Liebe Grüße
    Gabriele

    1. Liebe Gabriele,
      ja, das mit den Fehlern ist so eine Sache… 😉 Es fehlt einfach was, aber das darf auch sein. (nicht zu häufig, sonst wird’s unangenehm)
      Und außerdem:
      Ein Artikel ÜBER Fehler MUSS auch Fehler beinhalten,… Sonst hätte ja der Fehlerteufel-Schlingel nix zu tun 😉

      Herzliche Grüße
      Christine

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