Ich muss noch schnell

Ich muss noch schnell… langsamer werden. Kling irgendwie seltsam, findest du nicht? Umgekehrt kennst du das sicher besser: Ich muss langsam schneller werden, sonst schaff ich das alles nicht. Stellt sich allerdings die Frage, warum eigentlich?

Ich muss noch schnell… (dieses oder jenes erledigen). Sagst du das auch manchmal? Also ich ertappe mich jedenfalls  ab und zu dabei, diese Worte zu verwenden.  Und das oft bei den alltäglichsten Dingen, wie z.B. den Geschirrspüler einräumen, die Wäsche bügeln, zum Einkaufen fahren, meinen Blogartikel schreiben usw. (Wobei ich das Wörtchen muss hier nicht extra kommentiere, denn müssen tu ich schon lang nichts mehr! 😉 )

Ein typisches Gespräch zum Thema läuft meist so oder so ähnlich ab:

„Leg einen Gang zu, wir kommen sonst zu spät!

Na und? Dann kommen wir halt zu spät. Deswegen werd‘ ich mich auch nicht zerreißen!

Brauchst du ja auch nicht, aber schneller machen könntest du, schau auf die Uhr!

Schon gut, aber vorher muss ich noch schnell…“

Und die Uhr läuft. Und dann wird alles nur halb fertig gemacht, etwas vergessen, mit dem Auto gerast etc.

Ständig soll alles noch schneller gehen: Die Kassiererin im Supermarkt soll schneller tippen, die Kunden sollen schneller zahlen, die Mistkübelmänner sollen schneller die Müllbehälter leeren, damit die Straße wieder frei wird und so weiter und so fort. Dazu kommt, dass auch die technische Entwicklung in die gleiche Richtung geht: Die Aufzüge sollen noch schneller hinauf- und hinunterflitzen, die Züge sollen schneller fahren und noch ein paar Minuten einsparen, die Autos sollen noch schneller fahren können usw. usw…

Es ist ein ewiges Gerenne und Gehetze, als ob alle Menschen irgendwie auf der Flucht wären. In Wahrheit sind sie das wahrscheinlich auch – allerdings vor sich selbst, vor der inneren Leere, ihrer Unzufriedenheit und ihrer Angst. Immer mehr Menschen leiden an Burnout, weil sie es nicht mehr schaffen, mit zuhalten. Es entsteht zunehmend das Gefühl, nicht (mehr) gut genug zu sein.

Welche Gründe könnte es geben?

  • Doch wofür das alles?
  • Warum muss immer alles noch schneller werden?
  • Wovor laufen wir davon?
  • Vor dem Leben?
  • Um noch mehr sinnlose Dinge reinzupacken?
  • Hetzen wir uns nicht ohnehin schon viel zu sehr durchs Leben?

Loriot hat in einem seiner zahlreichen Sketche dieses unsinnige Gerenne und Gehetze in seiner unnachahmlichen Art auf den Punkt gebracht.

Wo laufen sie denn hin? 

Was wäre, wenn du dein Tempo reduzieren würdest?

Aber warum denn eigentlich schnell und noch schneller? Warum sollen  wir uns ständig durchs Leben hetzen? Was wäre denn, wenn  wir es langsamer angehen würden?

Eine Frage: Wo, meinst du, kannst du bei einer Autofahrt mehr von der Landschaft wahrnehmen – wenn du auf der Autobahn mit gut 130kmh dahinrast, oder auf einer Landstraße, auf der du immer wieder Ortschaften durchquerst und höchstens zwischen 50 und 80kmh schnell fahren kannst?

Die Antwort ist wohl klar. Doch meistens liegt es daran, welches Ziel du dir gesetzt hast und welches danach und danach wieder ein weiteres. Denn mit den Zielen stehen ja oft auch fixe Termine auf deinem Kalender. Die wollen eingehalten werden. Andernfalls könnten sich daraus ja böse Konsequenzen ergeben.

  • Hast du dich das schon einmal gefragt?
  • Welche Konsequenzen könnten sich ergeben?
  • Und was wäre dann?
  • Was könnte denn im schlimmsten Fall passieren?

Du erkennst sicher, worauf ich hinaus will: Einer deiner negativen Glaubenssätze hat wieder einmal heftig zugeschlagen. Er ist es, der dich daran hindert, dir selber mehr zu vertrauen. Er hindert dich daran, dein eigenes Lebenstempo zu leben.

Ich möchte dir dazu auch ein tolles Buch von Petra Schuseil empfehlen, das dir viele Tipps und Übungen liefert, wie du genau deine, für dich passende Geschwindigkeit im Leben finden kannst:

Finde dein Lebenstempo 

Noch ein Tipp zum Schluss:

Schau dich in deinem Leben einmal bewusst in aller Ruhe um. Welche Spiegelbilder findest du da eher vor? Welche nerven dich mehr? Sind es die langsamen, bedächtigen, die dich aus der Fassung bringen? Oder sind es die Eiligen, die immer besonders schnell sein und überall die ersten sein wollen?

Denk daran: In beiden Fällen sind es die Spiegelbilder deines eigenen Bewusstseins!

Schau in den Spiegel, es lohnt sich!

Herzliche Grüße

Christine

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6 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Christine,

    toll, dass du dieses Thema aufgegriffen hast. Ich habe ebenfalls das Thema Stress und wie man diesen möglichst vermeidet auf meiner Website/Blog aufgegriffen.

    Ich vermute mal, weil ich vor Kurzem eine diesbezügliche Krise hatte. Nun habe ich viele meiner Ziele in die Tonne gekloppt, da ich mich nur noch gejagt fühlte und siehe da, es geht mir wieder gut!

    Alles Liebe
    Gabi

    1. Liebe Gabi, diese Hektik rundherum umgibt uns seit vielen Jahren. Wer unbedingt rennen will, soll das tun, doch ich muss mich ja nicht mitreißen lassen. Eines meiner Lebensmottos lautet:
      Ich bin immer zur rechten Zeit am rechten Ort. Es gibt für alles die richtige Zeit.
      Und da hilft auch kein Gerenne und Gehetze.
      Liebe Grüße
      Christine

  2. 2003 bin ich als Lehrerin in Pension gegangen. Ich hatte also bis jetzt 13 Jahre Zeit, mein persönliches Lebenstempo zu finden – und – es ist gelungen und es gelingt mir noch immer sehr gut. Wichtig finde ich dabei, die jeweils heraus gefundenen „zu rasanten Schritte“ in „gemütliche, langsamere, bewusste“ Schritte – als TATEN – umzusetzen. Also nicht nur darüber nachzudenken, was ich wie in Hinkunft gemähchlicher machen könnte … sondern es tatsächlich auch zu TUN. Nicht nächstes Jahr, sondern jetzt!

    1. Liebe Christa,
      es gilt wie immer: Nur das Tun verändert die Welt. Mit bewusstem, achtsamem Tun schafft man letztlich viel mehr als in Eile und Hektik.
      alles Liebe
      Christine

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