Vom Podest geschubst und eine Beule geholt…

…und was für eine! Das kommt davon, wenn man glaubt, immer alles richtig gemacht zu haben (meistens jedenfalls) und dann eines besseren belehrt wird. Und wenn einem derjenige, der schubst, auch noch sehr nahe steht, dann tut das doppelt so weh.

Diese blöde Beule verschwindet auch nicht so schnell – im Gegenteil. Jedes Mal beim Blick in den Spiegel ruft sie sich in Erinnerung und das auch noch ziemlich laut: „Wann versorgst du mich endlich und kümmerst dich um die Heilung?“ Ja, wenn das so leicht wäre…

Und überhaupt: Schließlich hab ich ja alles richtig gemacht – nach bestem Wissen und Gewissen. Es hat doch jeder – aus seiner Sicht – immer Recht, macht alles so, wie er/sie es für richtig erachtet und so gut er/sie es eben kann. Wenn ohnehin immer alles richtig gemacht wird und jeder sowieso immer Recht hat,…

…dann ist ja keine Änderung notwendig. Oder doch?

  • Was ist, wenn das als richtig und bestmöglich Erachtete dennoch verkehrt war, weil es aus einer völlig falschen Motivation heraus getan oder gesagt wurde?
  • Doch was ist falsch, was richtig?
  • Sind nicht beides Bewertungen und daher völlig individuell interpretierbar?
  • Wie kann ich das eine vom anderen unterscheiden?

Viele Fragen und doch fehlt noch eine weitere, wichtige Frage. Die Antwort darauf, kann dir alle anderen Fragen auf einmal beantworten:

Handle ich aus Liebe oder aus Angst?

Zwei Beispiele dazu soll deutlich machen, was ich meine:
Die selbe Ausgangssituation: Zwei Familien mit jeweils einer erwachsenen Tochter. Der Vater berufstätig und gut verdienend, die Mutter Teilzeitkraft. Die Tochter studiert und arbeitet nebenher.

Familie Meier entscheidet, ihre Tochter so bald wie möglich in die Selbständigkeit zu entlassen (oder anders ausgedrückt aus dem Haus zu komplimentieren). Die Mutter ist nicht bereit, sich länger als unbedingt notwendig um Wäsche, Speis und Trank zu kümmern. Der Vater freut sich auf mehr Ruhe und weniger Diskussionen im Haus und ist davon überzeugt, dass es für die Tochter sowieso besser ist, auf eigenen Füßen zu stehen, da sie mittlerweile ihr eigenes Geld verdient. So kann die Verschwenderin endlich lernen, besser mit ihrem Geld umzugehen und sich ihre Ausgaben entsprechend einzuteilen. Wenn sie Rat oder Hilfe braucht, sind die Eltern jederzeit für sie da.

Bei Familie Müller sieht es anders aus. Die Tochter fühlt sich augenscheinlich wohl zuhause und lässt sich gerne umsorgen. Der Vater unterstützt sein Mädchen finanziell nach Kräften. Die Frau Mama bekocht sie und kümmert sich um alles, was sonst noch anfällt. Sie ist jedenfalls immer da, wenn sie gebraucht wird. Als die Tochter dann auszieht und einige Zeit später sogar den Kontakt zu ihren Eltern ziemlich reduziert, fällt besonders die Frau Mama aus allen Wolken. Hat sie doch alles für ihre Tochter getan. Und das ist nun der Dank…

Was ist nun richtig und was falsch?

Sind Herr und Frau Meier herzlos, weil sie ihre Tochter einfach vor die Tür setzen? Und das bloß, weil Frau Meier nicht mehr länger kochen oder Wäsche waschen und der Vater seine Ruhe haben will?
Sind Herr und Frau Müller arme, unbedankte Eltern, weil ihre Tochter ausgezogen ist und einige Zeit danach den Kontakt zu ihnen auf ein Minimum reduziert?

Die Antwort auf die allerwichtigste Frage kann alles aufklären.

Handeln sie aus Liebe oder aus Angst?

Auf den ersten Blick könnte man annehmen, Herr und Frau Meier sind sowas wie Rabeneltern. Die eigene Tochter aus dem Haus zu werfen, nur weil der Herr Papa endlich seine Ruhe haben und die Frau Mama sich Arbeit ersparen will? Also wirklich…
Herr und Frau Müller hingegen kümmern sich rührend um ihre Tochter, versorgen sie mit allem und räumen ihr alle Hindernisse aus dem Weg. Und statt dem entsprechend dankbar zu sein, hält die Tochter nach ihrem Auszug aus dem Haus immer mehr Abstand zu ihnen. Auch nicht die feine Art…

Natürlich sind das nur Beispiele und um genau zu wissen, was der jeweilige Beweggrund für das Handeln der betreffenden Personen war, müssten wir sie persönlich befragen können. Dennoch lässt sich einiges erkennen:

Herr und Frau Meier handeln anscheinend aus Liebe – sowohl zu sich selber als auch aus Liebe zu ihrer Tochter. Beide wollen ihrem Kind ein selbständiges Leben mit eigenen Entscheidungen ermöglichen, ohne ständig die Eltern um etwas bitten zu müssen. Sie wollen aber auch, dass die Tochter lernt, die Konsequenzen für ihr handeln ausschließlich selber zu tragen. Sie lassen los und schenken damit zugleich ihrer Tochter das Vertrauen in sie und ihre Fähigkeiten. Selbstverständlich stehen sie jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Gleichzeitig aber achten sie auch mehr auf ihre eigenen Bedürfnisse.

Herr und Frau Müller handeln aus Angst – vor dem Verlassen werden, nicht mehr gebraucht werden, nicht mehr den Weg vorgeben zu können, nicht mehr die wichtigsten Personen im Leben ihrer Tochter zu sein. Es war scheinbare, falsch verstandene Liebe zur Tochter und es fehlte dabei ein ganz wesentlicher Faktor: Die Liebe und das Vertrauen sowohl in sich selbst und vor allem auch in das Potential ihrer Tochter.

Diese hat jedoch erkannt, was für sie am besten ist und damit ihre Eltern vom symbolischen Podest der klügeren und alleinigen Entscheidungsträger gestoßen.

Ganz ehrlich: Wie denkst du darüber? Handelst du immer aus Liebe und folgst deinem Herzen oder schwindelt sich manchmal auch die Angst dazwischen?

Schau in den Spiegel, es lohnt sich!
Herzliche Grüße
Christine

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11 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Christine,

    ja auf den ersten Blick sieht es tatsächlich anders aus bei den beiden Familien. Und ich kenne beide Seiten.

    Ich habe auch lange die Angstseite bedient, war auch so eine Frau Müller.

    Heute habe ich aber den Weg geschafft und habe mich zu einer Frau Meier entwickelt und ich muss sagen, das Verhältnis zu meinen Kindern ist seither wesentlich besser.

    Herzliche Grüße
    Barbara

    1. Liebe Barbara,
      ich kenne auch beide Seiten, spannender Weise bei meinen beiden Mädels unterschiedlich. Ich bin auch noch nicht ganz da, wo ich sein will. Alte Muster und Verhaltensweisen sitzen ja oft sehr tief. Doch es entwickelt sich sehr gut. Ent-wickeln… wie ein Wollknäuel, aus dem mit der Zeit ein wundervolles Strickstück entsteht 🙂 Es fehlt nur mehr ganz wenig, dann ist es fertig!
      Alles Liebe
      Christine

  2. Liebe Christine,
    eine wundervolle Sicht der unterschiedlichen Wahrnehmungen zeigst du hier auf! Genauso sehe ich es auch.
    Obwohl ich keine Kinder habe, kann ich trotzdem nachempfinden. Denn diese Verhaltensweisen gelten meiner Meinung nach für alle Beziehungen, die auf Liebe basieren. Viel zu oft handeln wir da aus (Verlust-)Angst, weil wir glauben die Menschen so länger „binden“ zu können.
    Dass dies ein Trugschluss ist, zeigt dieser Artikel sehr schön!
    Herzliche Grüße,
    Hilda

  3. Liebe Christine,

    ich habe zwar keine Kinder, glaube aber, dass das ja für jede Art der Handlung gemeint war. Ich denke, dass jeder auch mal aus Angst handelt, da bin ich sicherlich auch keine Ausnahme. Allerdings stimmt es, dass es besser ist, aus Liebe zu handeln, egal was man tun, das bringt einen immer weiter und dann steht man auch immer voll und ganz hinter seinem Projekt bzw. dem wie man gehandelt hat, auch wenn es dann mal Kritik hagelt.

    Liebe Grüße
    Gabi

  4. Hallo Christine,
    Jeder Mensch hat seine eigene Realität. In beiden Beispielen handeln die Eltern aus Liebe. Im ersten Beispiel kommt wahrscheinlich auch Angst dazu.
    Wir als Außenstehende sollten uns aber in beiden Fällen ein Urteil vermeiden. Kennen wir doch nur diesen kleinen Ausschnitt der Geschichte. All zu oft urteilen wir über Menschen, ohne sie wirklich zu kennen.
    Die Indianer sagen: Bevor du über mich urteilst, solltest du in meinen Mokkasins gelaufen sein.
    Liebe Grüße
    Frank

    1. Lieber Frank, das Urteilen ist uns wohl in die Wiege gelegt. Wir sollten uns nur immer dessen bewusst sein. Leider ist das nicht immer so.
      liebe Grüße, Christine

  5. Liebe Christine,
    ein sehr schönes Beispiel hast Du da gewählt und sprichst mir sehr aus dem Herzen.

    Mir fiel dazu das Thema „frühe Fremdbetreuung von Kindern“ ein. Ich hörte damals (nun endlich weniger, die Gesellschaft wandelt sich, juhu ☺️) mehrfach den Satz „Wenn ich die Kinder abschieben will, dann brauche ich doch keine Kinder!“

    Und ich musste fragen:
    „BRAUCHST Du denn etwa Kinder?“

    Das Wort Abschieben hatte mich ja sowieso schon in die falsche Schublade gesteckt.

    Ich taste meinen Kopf jetzt mal nach Beulen ab 😂.

    Herzliche Grüße
    Molly Muse

  6. Liebe Christa,
    so eine kleine Welt, da habe ich dich über Barbara wieder entdeckt. Fein, dass du Blog-Expertin für das „Spiegellesen“ geworden bist! Genial!!

    Für mich ist es das Um und Auf, in den Spiegel zu schauen und dort die Lösungen zu finden. Dann fange ich bei mir an. – Wie ich einmal schrieb: Wenn du dein Spiegelbild mit Hut sehen möchtest, dann nutzt es nichts, wenn du dich ohne Hut auf dem Kopf vor den Spiegel stellst. 😉
    lg
    eva laspas

    1. Liebe Eva, so sieht – oder besser LIEST – man sich wieder 😉
      Ja, die Entschlüsselung der Spiegelbilder ist mein Lebensthema geworden – für mich selber zum besseren Verständnis manch eigener, unliebsamer Situationen und Zeitgenossen und natürlich um damit anderen Menschen ein einfaches „Werkzeug“ an die Hand zu geben, sich selber zu helfen, statt immer nur nach dem Warum zu fragen.
      Mein Motto ist gleich geblieben „JA zu mir! nicht stöhnen – Ändern!“
      Freut mich, dass nun auch mit an Bord bist!
      Ganz liebe Grüße
      Christine

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