Neujahrsvorsätze und Optimierungswahn

Du kennst das sicher: Jeder, den du zu Beginn eines neuen Jahres zum ersten Mal wieder triffst, fragt dich, welche Neujahrsvorsätze du gefasst hast. Sie erzählen auch gleich – meist ungefragt – was sie sich selber so vorgenommen haben. Da hörst du dann den Wunsch, mit dem Rauchen aufzuhören, weniger Süßigkeiten zu essen oder öfter ins Fitnessstudio zu gehen. Manchmal kommt auch die Idee vor, sich auf die Suche nach einer anderen Wohnung zu machen oder gar nach einem neuen Partner…

Triffst du dieselben Leute dann nach einigen Monaten wieder und fragst sie, was aus ihren Vorsätzen geworden ist, so wirst du in den meisten Fällen hören, dass es irgendwie nicht geklappt hat. Sie haben es ja ohnehin versucht, aber da waren so viele Hindernisse. Es ging einfach nicht, weil…

In einem Satz: Sie leben so weiter, wie sie es zuvor auch schon getan haben. Klar! Ist ja auch ganz schön anstrengend, so viel ändern zu müssen, wo es doch bisher so gemütlich war und ohnehin ganz gut funktioniert hat… irgendwie. Ist halt so Brauch, das mit den Neujahrsvorsätzen.

Ich hab übrigens damit schon längst aufgehört. Aus meiner Sicht sind sie nur sehr eingeschränkt sinnvoll und stehen oft dem Erfolg gehörig im Weg wenn sie nicht wirklich aus dem Herzen kommen.

Warum können Neujahrsvorsätze auch hinderlich sein?

Es gibt bestimmt viele Menschen, die sich wirklich redlich und angestrengt bemühen, in ihrem Leben etwas zu ändern, sich selber zu optimieren, sich die eine oder andere Eigenschaft endlich ab- und eine andere wiederum anzugewöhnen. Sie sehen all ihre Fehler als etwas ganz schlimmes an. Sie vergleichen sich ständig mit anderen Leuten und stellen fest, was die alles besser können, als sie selber. Ihre Gedanken kreisen dabei ständig um ihre eigenen, ungeliebten Eigenschaften.

Das kenn‘ ich übrigens auch von mir und es hat sich erst durch das Erlernen und die gewonnenen Erkenntnisse aus der genialen Spiegelgesetz-Methode von Christa Kössner® geändert. Seit her sehe ich jede unliebsame Eigenschaft als Geschenk an, das darauf wartet, von mir endlich ausgepackt zu werden. Mehr darüber und wie auch du sie erlernen kannst findest du hier

Doch zurück zu den kreisenden Gedanken, die möglicherweise auch dich manchmal davon abhalten, deine Fehler als etwas Positives zu erkennen. Das dir das nicht oft gelingt, ist ja auch kein Wunder! Schon in der Schule wurden wir ständig mit dicken Rotstiften auf die Fehler aufmerksam gemacht und danach benotet. Es wurden kaum jemals die vielen richtigen Begriffe in einem Aufsatz bewertet sondern immer nur die Fehler darin hervorgehoben. In einer Mathematikschularbeit z.B. wurde oft nur das Ergebnis beurteilt. War es falsch, hast du eben Pech gehabt. Hättest mehr lernen müssen. Dass innerhalb der gestellten Aufgabe der Weg und Teile davon richtig waren, wurde meistens ignoriert und kaum jemals lobend erwähnt.

Ging es dir nicht auch so ähnlich?
Dabei könnte man einen Fehler doch auch als positives Element sehen. Vera Birkenbihl meinte in einem ihren unzähligen, großartigen Vorträge so treffend:
„Ich habe das Recht auf meine Lücke“.
Hier kannst du dir Ausschnitte aus diesem Vortrag ansehen.

Wenn du also ständig darauf trainiert wurdest, nur deine Fehler zu sehen, dann erkennst du irgendwann all deine unzähligen tollen und ganz wunderbaren Eigenschaften nicht mehr. Du nimmst sie gar nicht mehr wahr. Du konzentrierst dich an jedem Jahreswechsel aufs Neue darauf, zumindest einen dieser vermeintlichen Fehler zu korrigieren, zu tilgen, mit Butz und Stingel auszumerzen und bist dann enttäuscht, wenn es wieder nicht gelungen ist. Irgendwann bist du dann an dem Punkt angekommen, wo du dir sagst: „Warum soll ich mir das eigentlich immer wieder antun? Es bringt ja doch nichts! Ich schaff‘ das einfach nicht! Vielleicht bin ich ja einfach zu blöd dazu.“

Und genau das ist absolut falsch! Warum? Weil es lieblos dir selber gegenüber ist!

Es stimmt schon: Es wird rund um den Jahreswechsel sehr viel über Ziele geschrieben und darüber, wie du sie am besten erreichen kannst. Ich selber hab ja schon in einigen Blogbeiträgen darüber geschrieben. Hier kannst du sie gerne nochmals lesen

Im Kern eines jeden Zieles geht es jedoch immer darum, bei sich selber anzukommen. Das zu leben, was dir wirklich entspricht. Spür einmal ganz genau hin und stell dir eine ganz wichtige Frage – vielleicht die wichtigste von allen:

Was macht mich wirklich glücklich?

Sei nicht verwundert, wenn die Antwort nicht sofort da ist. Vielleicht verirrst du dich ja auch auf dem Weg dahin und findest als Antwort zunächst sowas wie „ein neues Auto, ein neues Smartphon, ein Urlaub in der Karibik..“ oder ähnliches. Sollte das der Fall sein, so ist das völlig OK. Aber trau dich, noch tiefer zu gehen. Was ist es, was dich bei der möglichen Erfüllung dieses Wunsches wirklich glücklich sein ließe? Ist es z.B. die sichere Mobilität, die Unabhängigkeit, das Dazugehören, das aufregende Erlebnis einer solchen Reise?…

Geh zurück in deine Vergangenheit. Schau dir alte Fotos an, Erinnerungsstücke aus deiner Kindheit und Jugend.

  • Welche Gefühle kommen dabei hoch?
  • Was bedeuten sie für dich?
  • Was war dir damals wichtig, was davon ist es bis heute?
  • Was hat dir am meisten Freude gemacht

Hole dir nun diese Gefühle ins Jetzt, ins Hier und Heute. Bring sie durch deine bewusste Aktivität in deine Gegenwart. Buche z.B. eine Reise, die du dir schon lange gewünscht hast. (muss ja nicht gleich die Karibik sein…) Melde dich für einen Tanzkurs oder zu einer NordicWalking-Gruppe an etc. Es gibt unzählige Möglichkeiten.

Nur wenn du bei dem, was du tust, wirklich glücklich bist, wenn es dein Herzenswunsch ist, wenn du dafür so richtig brennst, bleibst du auch dabei. Da braucht es keine zwanghaft vorgenommenen Neujahrsvorsätze dazu.

Vergleiche dich also nicht mit anderen. Verfalle nicht dem Optimierungswahn, mach nicht Dinge, weil sie von dir erwartet werden, sondern folge deinem Herzen!

Schau in den Spiegel, es lohnt sich!

Herzliche Grüße

Christine

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13 Kommentare, sei der nächste!

  1. Du hast es wieder auf den Punkt gebracht, liebe Christine! Vorsätze aus dem „Kopf“ oder aus dem „Hirn“, seien sie auch noch so bewundernswert, werden bei der Durchsetzung anstrengend, wenn überhaupt. Die Frage „Welcher – von all meinen vermeintlich guten Vorsätzen – macht mich glücklich, wenn ich an dessen Umsetzung denke, halte ich für den besten Wegweiser zur Ehrlichkeit mit sich selbst!

    1. Absolut richtig, liebe Christa. Es wird unglaublich anstrengend, Ziele aus dem Kopf heraus zu verfolgen. Meiner Meinung nach sollte alles, was anstrengend oder mühsam zu erreichen erscheint, ohnehin hinterfragt werden. Und zwar in Hinblick auf die innere Begeisterung – die kann übrigens auch laut und deutlich zur Schau zum Ausdruck gebracht werden, so sie vorhanden ist!

  2. Liebe Christine,

    ein sehr schöner Artikel. Ich setze mir zwar immer noch Vorsätze – aber realistische und mit einem genau festgelegten Zeitplan. Mit dem aktiven Umsetzen beginne ich oft erst im März – zum Frühlingsanfang. Denn hier erwacht die Natur aus ihrem Winterschlaf und auch ich werde munterer. Wir sollten uns im übrigen viel öfter mit der Natur verbinden und es ihr gleichtun.

    Und natürlich nehme ich mir nicht zu viel vor. Aber ich lasse mich auch nicht entmutigen oder runterziehen, wenns nicht klappt. Dann schau ich warum und woran es gelegen hat und entscheide, ob ich nochmals angehe – mit einem anderen Blickwinkel darauf oder ob es einfach die falsche Entscheidung war. Ja, ich darf auch mal Fehler begehen – daraus gehe ich gestärkt und klüger hervor.

    Und mit Deinen wunderbaren Artikel habe ich gerade eine passende Idee bekommen. Mal schauen ob und wann ich diese umsetzen kann – vor allem wie.

    Liebe Grüße

    Birgit

    1. Liebe Birgit, es freut mich, wenn ich dir eine Idee geliefert habe. Lass mich bei Gelegenheit wissen, welche Idee es war und ob es mit der Umsetzung klappt.
      liebe Grüße
      Christine

  3. Gerade beim Lesen wurde mir etwas ganz bewusst, was ich zwar wusste aber noch nicht so in der Tiefe seiner Bedeutung.

    Es stimmt, was du schreibst liebe Christine,

    Auch mir wurde als Kind immer wieder eingebläut, dass man nur auf die Fehler schauen muss und die verbessern, damit man auch ja richtig funktioniert. Die guten Dinge wurden einfach als selbstverständlich hingenommen.

    Aus meiner heutigen Sicht ein Unding, denn dadurch habe ich jegliches Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl verloren. Und musste ganz schön lange daran arbeiten, das für mich zu entdecken, dass ich sehr wohl wertvoll bin.

    Aber vielleicht war ja genau das meine Lebensaufgabe (u. a.)

    Herzliche Grüße
    Barbara

    1. Liebe Barbara, unsere „Lebensaufgaben“ begleiten uns durch viele Jahre bzw. Jahrzehnte. Meistens werden wir uns ihrer besonders dann bewusst, wenn es wieder einmal ans Eingemachte geht. Einen Trost gibt es allerdings: Es fällt uns immer leichter, sie zu bewältigen, die Aufgaben werden einfacher und nach und nach dürfen sie sich dann in Liebe verabschieden, wenn wir unsere Lektionen gelernt haben.
      Liebe Grüße
      Christine

    1. Lieber Frank, ich hab deinen Artikel soeben gelesen und auch meinen Kommentar dazu geschrieben. Dieses Thema bietet sich zum Jahreswechsel ja geradezu an.
      liebe Grüße
      Christine

  4. Liebe Christine!

    Du bringst es auf den Punkt.
    Gerade die Seiten, die wir an uns ablehnen (oder die uns an anderen besonders stören), sind AUCH ein Teil von uns. Erst wenn ich mich so annehmen kann wie ich bin mit all meinen Schatten und all meinem Licht, erst dann bin ich wirklich vollständig.

    Herzensgrüße
    Manuela

    1. Ja, so ist es, liebe Manuela. Leider geht unser Bestreben oft dahin, so zu werden, wie andere es haben wollen, statt auf unser Innerstes zu hören.
      Alles Liebe
      Christine

  5. Ich gebe meinen Klienten immer den Tipp mit auf den Weg: „Mach keine Vorsätze. Wenn dir etwas wirklich wichtig ist, dann du es gleich. Beginne einfach. Worauf willst du warten?“

    Es ist doch so, dass jedes Datum das Richtige ist, wenn wir mit einer Sache starten. Wenn wir so handeln, nimmt es den Druck raus. Wir teilen die vielen guten Vorsätze auf den Jahresverlauf auf und können jederzeit wieder mit etwas anfangen.

    Danke für dieses Artikel! Du bringst die Dinge wunderschön auf den Punkt!

    1. Liebe Ilse Maria,
      Danke! So seh ich das auch! Wenn es wirklich ein Herzenswunsch ist, dann bestehen die einzigen, wirklichen Hindernisse meistens aus den eigenen negativen Denkmuster… und die lassen sich ja ändern. Alles andere sind Ausreden.
      Schönes Wochenende und liebe Grüße
      Christine

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