Was beschweren und erleichtern miteinander zu tun haben

So geht das aber nicht! Das lass ich mir nicht gefallen! Sie haben mir versprochen, dass…! Das war doch immer so und jetzt plötzlich ist alles ganz anders! Mit mir aber nicht!

Solche und ähnliche Aufgeregtheiten hast du sicher auch schon gehört. Vielleicht aber auch selber schon einmal zum Besten gegeben. Vor allem dann, wenn dir jemand etwas versprochen hat und sich dann nicht dran hält. Keine Frage, da wär ich auch auf 180!

Ein Beispiel:

Eine befreundete Trainer-Kollegin gibt mir zu verstehen, zukünftig Seminare gemeinsam mit einer Co-Trainerin anbieten zu wollen. Da von der Ausbildung her für mich klar ist, dass sie damit mich meint (sonst hätte sie mich ja gar nicht darauf anzusprechen brauchen), war meine Enttäuschung entsprechen groß, als ich erfahren habe, dass sie die Seminare mit einer anderen Kollegin gemeinsam durchführen wird.

Ich war damals (ist viele Jahre her und längst in Freundschaft geklärt) nicht auf 180 sondern auf 360 – falls das überhaupt möglich ist. Beschwerden beim Salzamt (so sagt man hierzulande, wenn klar ist, dass Beschwerden jeglicher Art genau gar nichts bringen).

Anderes Beispiel:

Du gehst in den Supermarkt, entdeckst ein interessantes Sonderangebot im Prospekt und willst es kaufen. Gut, aber aus! Du beschwerst dich bei der Verkäuferin – umsonst. Du beschwerst dich beim Marktleiter – hilft auch nicht! Im Prospekt steht, winzig klein gedruckt, aber mit der Lupe durchaus zu lesen (selber schuld, wenn du keine mitnimmst): „Angebot solange der Vorrat reicht.“ … Und der hat eben nicht gereicht.

 Aber wurde in beiden Fällen wirklich etwas versprochen und dann nicht gehalten? Die Antwort auf diese Frage findest du weiter unten im Beitrag.

Soviel also zum Thema Beschwerden und ihrer Sinnhaftigkeit. Doch halt! Sind sie immer sinn-los?

Was sagt das Wort im Kern eigentlich aus?

Be – schwer – en

Ich beschwere mich – ich mache mich schwer!

Na dann sollte ich mich doch besser erleichtern… ok, das nun auch nicht. Das kann man ja auch völlig falsch verstehen. 😉

Also wie denn nun?

Wie wär‘ s denn statt dessen mit dem Wort mit-teilen?

Das klingt doch gleich anders. Ich teile meine Unzufriedenheit mit der Situation mit jemand anderem. Sage ihm oder ihr klar und bestimmt, was Sache ist und wie ich es haben oder eben nicht haben möchte.

Das macht natürlich nur Sinn, wenn das Gegenüber die Person ist, dich ich für den Auslöser der unliebsamen Situation halte. (Wohlgemerkt den Auslöser! Denn Verursacher bin ich – durch meine Gedanken und Bewertungen ja bekanntlich immer selber).

Andernfalls wäre es nur ein erleichtern – also ein Abladen des eigenen Ärgers und somit ohne sinnvolles Ergebnis.

Tipps dazu, wie du das am besten machen kannst, findest du in diesem Blogbeitrag.

Noch etwas fällt mir dazu ein und kann dir dabei helfen, mit solchen Situation besser und vor allem auch schneller klar zu kommen.

Eine Bürokollegin machte vor vielen Jahren anlässlich eines Missverständnisses mit einem Kunden eine interessante Bemerkung:

Gehört heißt noch nicht verstanden und verstanden heißt noch nicht getan.

Dieser Satz ist mir in Erinnerung geblieben und beinhaltet eine sehr wichtige Aussage:

Was ich mit einem meiner fünf Sinne wahrnehme ist eine Sache. Was ich aber darunter verstehe, also wie ich diese Wahrnehmung interpretiere, unterliegt meinen bisherigen, ganz persönlichen Erfahrungen in ähnlichen Situationen und kann letztlich etwas ganz anderes bedeuten, als die ursprüngliche Aussage.

Auf die beiden Beispiele bezogen heißt das folgendes:

Im Gespräch mit meiner Trainerkollegin hab ich damals nur gehört, was ich hören wollte. Nämlich zukünftig mit ihr gemeinsam die Seminare durchzuführen. Das war mein Wunsch, entsprach aber nicht ihrer Vorstellung. Es war bloß eine einfache Mitteilung ihrerseits, was sie in den kommenden Monaten tun wollte, sonst gar nichts. Schließlich hatte sie mich ja mit keinem Wort um meine Mitarbeit gebeten.

Beim Einkauf im Supermarkt war lt. Prospekt von vornherein klar, dass nur die Ware verkauft wird, die im Regal liegt. Ist sie weg, gibt’s keinen Nachschub. Du hattest aber davor in einem anderen Markt schon einmal die Möglichkeit, um Nachlieferung zu ersuchen und die Ware dann auch bekommen. Aus dieser Erfahrung heraus resultierte deine Annahme, dass das überall möglich sei – war es nur leider nicht.

Es ist also einmal mehr immer die eigene Sichtweise und Interpretation, die einer unliebsamen Situation zu Grunde liegt.

FAZIT:

Beschwerden beschweren, statt dessen also besser mitteilen.

Bevor du eine Beschwerde vom Stapel lässt, stelle dir folgende drei Fragen:

  • Ist es wirklich wahr? (Meine Interpretation der Situation)
  • Ist es notwendig? (Meine geplante Beschwerde)
  • Ist es liebevoll? (Meine dazu gewählten Worte)

Schau in den Spiegel, es lohnt sich!

Herzliche Grüße

Christine

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10 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Christine,

    mal wieder ein passender Artikel zum passenden Zeitpunkt 😉
    Obwohl ich es genau weiß, falle ich doch immer mal wieder drauf rein, auf die eigene Interpretation. Im normalen täglichen Leben geht das ja meist, aber wenn es an die tiefer sitzenden Muster geht, dann fällt es halt manchmal noch sehr schwer, das zu erkennen.

    Aber ich übe kräftig und irgendwann wird das dann auch was bei mir

    Herzliche Grüße
    Barbara

    1. Liebe Barbara, bei den „Lebensthemen“, wie ich sie immer nenne, geht das auch bei mir nicht immer gleich. Auch ich falle ab und an nach gehörigem Stolpern in die (selber geschaufelte) Grube. Doch der Unterschied zu früher: Ich erkenne sehr schnell, welchen Stein ich mir da wieder selber in den Weg gelegt habe. Also krabble ich aus er Grube wieder raus, räum den Stein beiseite und weiter geht’s auf dem Lebensweg.
      Die Steine sind mittlerweile viel kleiner geworden und manchmal gibts bloß ein Draufsteigen. Doch – manchmal – passiert auch noch ein Überknöcheln. Das tut dann besonders weh und erinnert mich daran, dass ich nicht aufgepasst habe. Aber so ist es eben.
      Du siehst also – weiter üben und achtsam sein! Doch das wird schon…

      Alles Liebe – Christine

  2. Liebe Christine,

    wieder mal ein toller Artikel. Über diese Dinge denkt man gewöhnlich gar nicht so nach. Auch wenn ich mir mittlerweile schon größtenteils abgewöhnt habe, mich zu beschweren, so kenne ich aus früheren Zeiten doch auch. Sehr schön haben mir die drei Fragen gefallen, die man sich stellen sollte, besonders der letzte „Ist es liebevoll?“

    Und um auf deine Kollegin zu kommen, ein Kollege von mir sagt immer, „wer deutlich spricht, riskiert verstanden zu werden“.

    Herzlichst
    Gabi

  3. Wieder ein sehr interessanter Artikel liebe Christine! Er regte mich an, darüber nachzusinnen, wann es wohl war, dass ich mich über etwas beschwert habe … es waren die Hitzewochen der letzten zwei Monate! Na ja, vielleicht war es auch mehr ein Jammern im Geheimen, als eine „Beschwerde“ im Sinne des Wortes 🙂

    1. Liebe Christa, das wird’s wohl gewesen sein – ein sich selber be-schwer-en, denn ändern konnten wir’s ja ohnehin nicht. Die Hitze wurde durch das Jammern eher noch schlimmer. Zumindest hab ich das so empfunden.
      Alles Liebe – Christine

  4. Liebe Christine,

    ich finde es immer wieder spannend, wenn ein Wort „auseinander genommen“ wird. Dann wird einem die Bedeutung eigentlich immer bewusster, Mit deinem Artikel hast du das wieder wunderbar hinbekommen. Danke für die Erinnerung 🙂
    Sollte man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen , wenn man wieder mal kurz davor ist ins alte Muster zurückzusteuern und sich beschweren will .

    Liebe Grüße

    Birgit

    1. Liebe Birgit,
      ja, ich mag das auch. Ich nenn es „die Weisheit der Sprache“. Die Worte kommen ja nicht von ungefähr sondern haben sich nach und nach entwickelt aus einem Wortstamm heraus…
      Wir vergessen nur oft, dass sich allein aus dem bewussten lesen eines Wortes oft schon die Lösung einer Frage ergibt. Beim flotten „dahinsagen“ fällt es meistens zuwenig auf.

      Liebe Grüße
      Christine

  5. Liebe Christine,

    total spannender Ansatz, das Beschweren mit es sich schwer machen zu interpretieren. War mir noch gar nicht so aufgefallen, obwohl ich selber gerne in diese Wortspiele verfalle. Es sich selber schwerer machen, als es ist. Wie ein Briefbeschwerer, der auf der Post liegt und eine dicke Kuhle hineindrückt.

    Danke für diesen zum Nachdenken und Hinterfragen anregenden Beitrag.
    Liebe Grüße, Diana

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